Reiseversicherungen im Überblick

Welche Reiseversicherungen machen Sinn?

Feierabend, Dienstschluss, Koffer packen. Endlich geht es ab in den Urlaub.
Wer denkt bei der Vorfreude auf Sonne, Berge und Meer und kulturelle
Sehenswürdigkeiten schon darüber nach, was im Urlaub alles passieren kann?

Ein Autounfall bei der Anreise, Gepäck-Diebstahl im Hotel, plötzliche Krankheit.
Oder Umstände vor dem Abflug, die das Verreisen unmöglich machen.

All diese Dinge sind mit Stress und finanziellen Einbußen verbunden:
Stornierungskosten einer Reise, Auto-Werkstatt, neue Urlaubs-Utensilien kaufen usw.

Wer sich gegen solche Risiken absichern möchte, ist gut beraten,
eine Reiseversicherung abzuschließen. Das kostet nur relativ wenig Geld.
Gibt einem aber die nötige Sicherheit,
wenn es zu unvorhersehbaren Ereignissen oder Dramen kommen sollte.

Doch was genau braucht man genau? Was ist unnötig, was ist zu viel des Guten?
In diesem Artikel geht es hauptsächlich um die Themen Reisekrankenversicherung,
Reiserücktrittsversicherung, Haftpflichtversicherung und Gepäckversicherung.
Doch zuerst mal ein paar Namen,
wo man überhaupt eine Urlaubsversicherung abschließen kann:

 

Reiseversicherer im Überblick
Alle Reiseversicherungen können als Einzelversicherungen oder im Paket
bei folgenden Gesellschaften abgeschlossen werden:

Hanse Merkur Reiseversicherungen
AXA Reiseversicherungen
ADAC Reiseversicherungen
Travel Card Reiseversicherung
Nürnberger Versicherungsgruppe
Würzburger Versicherungs-AG (Travel Secure)
Adler Versicherungs-AG
ERGO Direkt
Allianz Global Assistance bzw. ELVIA
CosmosDirekt
Neckermann
Universa
Union Reiseversicherung
Deutscher Ring
Mannheimer Versicherungen
Signal Iduna

Ich möchte mir hier nicht anmaßen, über Qualität und Preis-Leistungsverhältnis zu urteilen.
Schauen Sie sich am besten einen Testbericht bei Stiftung Warentest an.
Preisvergleiche finden Sie auch bei Check24.de.

 

Reisekrankenversicherung
Zunächst eine Begriffs-Definition: Eine Auslandskrankenversicherung ist zuständig
für einen längeren Aufenthalt in anderen Ländern.
Zum Beispiel bei der Entwicklungshilfe oder bei der Arbeit in einem arabischen Ölstaat.

Die Reisekrankenversicherung ist hingegen nur für den relativ kurzen Zeitraum
einer Urlaubsreise relevant. Eine 3-monatige Weltreise gehört auch zu dieser Kategorie.


Gesetzliche Krankenversicherungen

AOK, Barmer, DAK usw. haften im Krankheitsfall mit absoluter Sicherheit nur im Inland
und in der EU. Sie zahlen Voll- oder Teilbeträge in solchen Ländern,
mit denen Deutschland einen Sozialversicherungspakt abgeschlossen hat.

Die Europäische Krankenversicherungskarte EHIC gilt in allen Staaten
der Europäischen Union. Außerhalb der EU gibt es Übereinkommen mit Island,
der Schweiz, Liechtenstein, Kroatien, Mazedonien, Serbien und Norwegen.

Wer in Portugal, Griechenland oder Südfrankreich einen Strandaufenthalt plant,
braucht keine zusätzliche Auslandskrankenversicherung. Zumindest nicht in der Theorie.

In der Praxis sieht es manchmal leider anders aus.
Es sind Fälle bekannt, wo Ärzte z.B. in Spanien oder Griechenland bei einem erkrankten
Deutschen das große Geschäft witterten. Behandlung und Rechnung wurden künstlich
aufgebläht. Es gab Probleme bei der Anerkennung der Krankenkarte EHIC.
Von wegen rundum sorglos. Der Urlaub endete für die Betroffenen mit Stress und Ärger.

Auf keinen Fall zahlen die gesetzlichen Krankenversicherungen für Unfall- und Krankenkosten
außerhalb Europas. Für einen Urlaub in den USA, Kanada, Südamerika, Afrika, Asien,
Russland und Australien ist eine zusätzliche Reisekrankenversicherung also unverzichtbar.

Zumal in manchen Ländern (wie USA) die medizinische Versorgung um einiges teurer
zu Buche schlägt als in Deutschland oder Europa.
Medikamente sind dabei noch der kleinste Kostenfaktor.


Der Super-GAU im Urlaub

Noch schlimmer wird es, wenn Sie so krank oder geschwächt sind, dass Sie als Notfall
von speziell ausgebildetem Personal in die Heimat zurück transportiert werden müssen.
Womöglich noch über Weltmeere hinweg. Weil sie z.B. in einem armen Land sind.
Und die dortigen medizinischen Möglichkeiten nicht zufriedenstellend sind.

Die Rechnung für eine solche Überführung nach Deutschland kann je nach Entfernung
in die Zehntausende Euro gehen. Wer in dieser Situation keine Reisekrankenversicherung
im Rücken hat, trägt erheblichen finanziellen Schaden davon.


Die Reisekrankenversicherung haftet in folgenden Fällen

Ärztliche Sprechstunde und Behandlung. Medikamente, Spritzen, Krankenhauskosten.
Und für den Krankenrücktransport durch Spezialisten,
welche die Versicherung ausgesucht hat.
In Sonderfällen (Vertragstext beachten!) beinhaltet die Reisekrankenversicherung auch Kosten,
welche bei der Rettung aus Berg- oder Seenot entstehen.


Die Reisekrankenversicherung macht Sinn

wenn ein gesetzlich Krankenversicherter mehrmals pro Jahr einen Urlaub bucht.
Wenn er mit der Familie verreist – mehrere Personen erhöhen das Krankheitsrisiko.
Und wenn die Reisen ziemlich lange dauern.

Außerdem macht es Sinn für Menschen, die schon ein wenig älter bzw. kränkelnd sind.
In diesen Fällen ist die Gefahr vergleichsweise hoch,
dass man in der Urlaubszeit eine ärztliche Behandlung in Anspruch nimmt.


Fazit der Geschichte

Die relativ geringen Kosten für eine Reisekrankenversicherung stehen in einem
sehr günstigen Verhältnis zu finanziellen Risiko für die genannten Gruppen.
Wichtig ist, dass man sich bei Vertragsabschluss genau informiert,
in welchen Fällen der Versicherungsschutz greift.

 

Reiserücktrittsversicherung –
mit oder ohne
Reiseabbruchversicherung

Was ist, wenn etwas nicht so läuft wie erwartet?
Wann zahlt die Reiseversicherung – stellvertretend für Sie – dem Reiseveranstalter
den stornierungsbedingten Verdienstausfall?
Oder wann ersetzt er Ihnen bei Reiseabbruch das schon gezahlte Urlaubsgeld
für ausgefallene Urlaubstage und Ausflüge?

Anerkannte Gründe, um den Urlaub vorzeitig zu beenden
oder gar nicht erst anzutreten, sind folgende:
Ein nicht grob fahrlässig entstandener Unfall, der zu erheblichen gesundheitlichen
Einschränkungen führt. Eine heftige Erkrankung (Erkältung zählt nicht!).
Ein Todesfall im Familien- oder engeren Verwandtenkreis.

Weitere Fälle, bei denen der Reiseversicherer einspringt:
In der Zeit vor der Abreise stellt sich heraus, dass Sie total überempfindlich reagieren
auf eine Schutzimpfung (Hautausschlag, Atembeschwerden).
Sie verlieren ohne eigene Schuld den Job.
Oder Sie nehmen als Arbeitsloser eine neue Stelle an.

Ebenfalls anerkannt wird eine Wohnungs- bzw. Hausbeschädigung durch Überschwemmung
oder Brand. Wenn ein jugendlicher Witzbold die Fassade mit Graffiti eingesprüht hat:
Das ist kein Notfall. Kann also warten bis nach dem Urlaub.

Schwangerschaft ist ein Zustand, aber keine Krankheit.
Nur wenn die Frau durch das Schwangersein für Urlaubsaktivitäten stärker als zumutbar
gehandicapt wird, kann eine Reise ohne finanzielle Verluste abgesagt
oder vorzeitig beendet werden.

Was viele nicht bedenken: Das Versicherungs-Unternehmen erkennt nur solche
Erkrankungen als Abbruchgrund einer Reise an, die erst im Urlaub selbst entstanden sind.
Wer 3 Monate vor der Abreise bereits wegen einer chronischen Erkrankung in ärztlicher
Behandlung war, bleibt auf den zu leistenden Stornokosten sitzen.
Die Versicherung haftet nur für plötzlich und unvorhersehbar auftretende Ereignisse.

Sobald Sie sicher wissen, dass Sie die Reise aus einem wichtigen Grund nicht antreten
oder abbrechen: Dann sind Sie gehalten, sofort den Versicherer zu informieren.
Dieser entscheidet dann über das weitere Vorgehen.
Unterlassung der Informationspflicht kann laut AGB zum Verlust von Ansprüchen führen.

 

Reiserücktritt und Reiseabbruch
Infos über die Rücktrittsversicherung

 

Reisegepäckversicherung
Einfach den Koffer gepackt und los geht’s, ab in den Urlaub. Klingt so schön einfach.
Doch was ist, wenn das Gepäck unterwegs gestohlen wird:
Am Bahnhof, an der Tankstelle, am Flughafen, bei der Busfahrt oder im Hotel.
Wenn Bruder Langfinger wieder einmal zugeschlagen hat.

Die Reisegepäckversicherung ist nach meiner Ansicht zwar möglich,
aber nicht dringend notwendig. Für alles, was auf Reisen verloren geht,
kommt die normalerweise Hausratsversicherung auf.

Außerdem finden die Schlawiner des Versicherungsunternehmens immer einen pfiffigen
Grund, warum der Reisende fahrlässig gehandelt haben soll.
Nur wer sehr scharfe Vorsichtsregeln einhält, darf mit Schadensersatz rechnen.
Auf Gut-Deutsch: Sie müssen das Gepäck praktisch mit Handschellen an sich festbinden.

Die Reisegepäckversicherung ist bei Flugreisen, Autoreisen, Bahnreisen und Schiffsreisen
relevant. Sie haftet bei Verlust, Diebstahl und Beschädigung des Reisekoffers.
Das bedeutet: Zum Beispiel für Kleider, Brillen, Fotoapparate, Laptops, Sportschuhe.
Aber auch, wenn der Koffer vom Blitz getroffen
oder von einer Bombenexplosion hinweg gefegt wird.

Wirkliche Wertgegenstände (Goldschmuck/ hohe Mengen Bargeld,
übermäßig teure Designer-Kleidung/ wertvolle Bilder) sind vom Standard-Versicherungsschutz
ausgeschlossen. Dafür kann man separate Versicherungsverträge abschließen.

Verlorene oder beschädigte Gegenstände werden nicht neuwertig ersetzt.
Berechnet wird der so genannte Zeitwert. Alter und Abnutzungsgrad spielen dabei eine Rolle.

 

Gepäckverlust beim Flug
Was tun, wenn der Koffer nicht ankommt?

 

Weitere Reiseversicherungen

Flugreisen
Auf dem Reise-Versicherungsmarkt gibt es fast nichts, was es nicht gibt.
Man bietet z.B. Policen für Flugreisen an.
Aber wie geil ist das denn? Wenn der Flieger abstürzt, ist eh alles zu spät.
Dann spielt es auch keine Rolle mehr, wenn der Koffer platzt
und die teuren Nike-Sportschuhe im Meer landen.

Für einen solchen Katastrophenfall sollte man für die Familie besser eine
Risikolebensversicherung abschließen. Allenfalls bei einem überlebten Flugunglück
in Erdnähe (Start und Landung) könnte eine Flugreisen-Versicherung Sinn machen.


Familien-Reiseversicherung

Anders liegt der Fall bei der Absicherung des Familienurlaubs.
Je mehr Leute zusammen auf Tour sind,
desto höher ist die Unfall-, Krankheits- oder Diebstahlgefahr.
Für solche Fälle bieten die Reiseversicherer spezielle Versicherungsmodelle an.


Reisehaftpflichtversicherung

Das ist Blödsinn hoch 12.
Wenn Sie einem anderen Urlauber in Italien oder Spanien ein Leid zufügen,
dann greift so gut wie immer Ihre private Haftpflichtversicherung.
Ich denke: die sollte wirklich jeder haben.

Wer einen Langzeit-Urlaub in Betracht zieht, sollte sich aber vorher bei seiner
Versicherungsgesellschaft informieren, ob die bestehende Haftpflichtversicherung
auch tatsächlich für Schadensfälle im Ausland haftet.


Mietwagen-Versicherung

Wer seinen Urlaubsort per Mietwagen erkunden will, braucht eine zeitlich begrenzte
Kfz-Versicherung – speziell für diesen Wagen.
Vor allem eine Vollkasko, eine Haftpflicht- und Diebstahlversicherung.
Möglicherweise auch eine Schadensabsicherung für Autoscheiben,
Dachschäden (Hagel) und Reifen.


Autoschutzbrief für den Urlaub

Wer mit dem eigenen Auto in Urlaub fährt, sollte sich überlegen,
ob er einen Schutzbrief braucht.
Dieser versichert das Auto bei Diebstahl, Pannenhilfe, Unfall und Rückführung in eine Heimat.
Sie bezahlt den Abschleppdienst zu einer Kfz-Werkstatt.
Sie kommt für Reparaturkosten, Übernachtungskosten im Hotel
und für unfallbedingte Rechtsstreitigkeiten auf.

Anbieter Nummer 1 ist der ADAC.
Fast 20 Millionen Deutsche haben einen Schutzbrief beim ADAC.
Aber auch bei normalen Kfz-Versicherern bekommt man einen Auslands-Schutzbrief.
Zum Beispiel bei HUK-Coburg, Allianz, Gothaer oder DEVK.

 

Weitere Gesichtspunkte beim Vertragsabschluss

Selbstbeteiligungs-Tarif
So mancher Urlauber schreckt vor den Kosten für eine Vollversicherung zurück.
Man kann sich einiges an Versicherungsprämien sparen,
wenn in der Police ein Selbstbehalt festgelegt ist.
Ob das wirklich sinnvoll ist, lässt sich nicht pauschalisieren.

Der Urlauber muss versuchen, das Verhältnis zwischen Kosten und Risiko richtig
einzuschätzen. Bei teuren Reisen sollte man den Selbstbeteiligung-Tarif womöglich verwerfen.
Prämienmäßig ist der meist nicht viel günstiger als der Volltarif.
Bei einem Reisewert von 1.500 Euro macht es ungefähr 25 Euro Unterschied aus.


Deckungssumme

Vor allem dann, wenn Sie relativ kostbare Artikel mit sich führen oder teure Reisen machen,
ist es wichtig, dass Sie im Schadensfall nicht mit einem Apfel und einem Ei abgespeist
werden. Viele Versicherungsverträge beinhalten eine maximale Deckungssumme.

Das heißt: Auch wenn die Foto- oder Sportausrüstung einen realen Zeitwert
(Neuwert minus Abnutzung) von 1.000 Euro hat, bekommen Sie möglicherweise
nur den festgelegten Maximalwert von 700 Euro erstattet.
Diesen Aspekt sollte man bei der Auswahl der Versicherungsgesellschaft beachten.


Sonderfall: Reiseabbruch wegen Terroranschlag

Nur in wenigen Verträgen ist ein Bombenanschlag vorgesehen.
Die Terrorattentate in jüngster Zeit (Türkei, Tunesien, Ägypten, Paris, Brüssel)
haben gezeigt, dass heutzutage kein Ort der Welt mehr sicher ist
vor islamistischen Gewaltakten
. Doch nicht immer kann man voraussagen,
in welchen Ländern arabische Extremisten zuschlagen.
Soll man sich gegen alles und jeden versichern?

Ich würde raten, nur in solche Länder zu reisen,
wo die Wahrscheinlichkeit eines arabischen Anschlags nach menschlichem Ermessen gering ist.
Zum Beispiel nach Lanzarote, Teneriffa oder Gran Canaria
,
in die Karibik, in den Schwarzwald oder an den Bodensee.
Sollten Sie dennoch frühzeitig abreisen wollen oder müssen:
Dann sind die finanziellen Einbußen noch das geringere Übel
gegenüber der Gefahr für Leib und Leben.


Jahresversicherung

Sie fahren 2, 3 oder 4 mal pro Jahr in Urlaub?
Dann sollte man über eine Jahresversicherung nachdenken.
Diese kommt Sie meist günstiger als wenn Sie für jede einzelne Reise
separate Verträge schließen.

Schon bei 2 Urlaubsreisen kann sich die Jahresversicherung rechnen.
Allerdings muss sie rechtzeitig gekündigt werden. Sonst läuft sie einfach weiter.

 


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