Koffer weg bei Flugreisen: was tun?

Vorgehen bei verschwundenem Fluggepäck

Die Reisekoffer kommen gar nicht, verspätet oder demoliert
am Urlaubsort oder an Ihrem Heimat-Flughafen an.
Was ist zu tun? Wie soll man nach dem Gepäck suchen und reklamieren?

Egal, ob Sie zum Strandurlaub oder auf Fernreisen fliegen:
Verlorene Koffer sind nicht nur ärgerlich. Sie können uns das Urlaubsvergnügen vergällen.

Worauf müssen Flugreisende achten, wenn der Koffer nicht ankommt?
Was hat der Gesetzgeber als Entschädigung vorgesehen?
Welche Vorgehensweise ist vorgeschrieben, damit Sie Ihre Ansprüche nicht verlieren?

 

Vor dem Flug: die Packliste aufheben
Zu einer guten Reisevorbereitung gehören clever gepackte Koffer.
Es ist nicht nur wichtig, dass Sie alles dabei haben.
Wichtig ist auch, dass Sie im Verlustfall den Inhalt des Koffers möglichst exakt
beschreiben können. Noch etwas besser wäre:
Vor dem Einpacken legen Sie das gesamte Inventar nebeneinander auf den Boden.
Und fotografieren es.

Aber auch dabei kann geschummelt werden.
Optimal wäre es: Sie heben alle Quittungen auf für Reise-Utensilien,
die sie in den 2 Wochen vor dem Abflug gekauft haben.

 

Verlorenen Koffer sofort nach Flugreise reklamieren
Das Gepäckband dreht seine Runden. Doch das hellgrün leuchtende Gepäckband,
das Sie so sorgsam ausgesucht haben, ist nicht zu sehen.
Auch als die umlaufenden Koffer immer weniger werden.
Sie müssen davon ausgehen, dass Ihr Reisegepäck irgendwo
am Start-Flughafen den falschen Weg genommen hat.

„Jetzt brauche ich mal ein Bier mit Korn“.
Menschlich wäre das verständlich. Sie verlieren damit aber wertvolle Zeit.
Der erste Schritt führt Sie ins Lost and Found-Büro.
Dort melden Sie den Verlust, und zwar umgehend.

Es wäre fatal, wenn Sie vor diesem Schritt das Flughafengebäude verlassen.
Damit verlieren Flugreisende alle Ansprüche auf Ersatz Ihrer Gegenstände.
Schließlich könnte Ihnen der Koffer auch ein paar Stunden nach dem Flug
im Hotel geklaut worden sein.

Zuerst müssen Sie mit der Board-Card beweisen, dass Sie überhaupt geflogen sind.
Sie geben beim Lost and Found den Gepäckzettel vom Check-In ab.
Und füllen ein Verlustformular aus.

Dabei geben Sie Ihre E-Mail und Urlaubsadresse (bzw. Postadresse zu Hause) an.
Je nachdem, ob Sie sich auf Hin- oder Rückflug befanden.
Der Transfer eines gefundenen Gepäcks hin zu dieser Adresse sollte normalerweise
kostenlos sein. Schließlich ist das Ganze nicht Ihre Schuld.

Sie können nun benachrichtigt werden, sobald das Reisegepäck wieder auftaucht.
Sie bekommen bei Lost and Found einen Ausdruck des Verlustformulars.
Nun beginnt die Suche.
Zuerst im Gepäckraum des gelandeten Fliegers.
Dann im Flughafengebäude (Ankunftshalle).
Später bei allen Flughäfen, wo Sie gestartet und zwischengelandet sind.

Man verfolgt die Spuren der Koffer.
Irgendwo müssen sie nach menschlichem Ermessen ja stecken.
Vorausgesetzt, sie sind nicht irgendwie in falsche Hände geraten (Diebstahl).

 

Fluggesellschaft benachrichtigen (Schadensmeldung)
So weit das Prozedere direkt im Flughafengebäude.
Doch was passiert, wenn die Koffer dauerhaft verschwunden bleiben?
Wenn Sie mit einem Totalverlust rechnen müssen.

Dann wird es Zeit, die Fluggesellschaft anzuschreiben.
Ein Anruf genügt nicht. Der Vorgang muss schriftlich fixiert werden.
Wenn Sie den Anspruch auf Ersatz wahren wollen, müssen Sie dabei einige Fristen beachten.

Bei beschädigtem Gepäck muss spätestens 7 Tage nach der Landung
die Schadensmeldung bei TUIfly, Lufthansa und Co. eingegangen sein.
Sollte Ihr Gepäck ganz von der Bildfläche verschwunden sein, beträgt die Frist 21 Tage.
Wenn innerhalb dieser Fristen keine Meldung stattfindet,
gehen alle Ansprüche des Urlaubers verloren.

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich gleich nach dem Lost and Found-Büro
an den Schalter der Fluggesellschaft begeben.
Dort erkundigt sich der Flugreisende nach der Adresse:
Wohin kann ich später meine schriftliche Meldung schicken?

Die Schadensmeldung für die Fluggesellschaft sollte Ihr Gepäck so gut wie möglich
beschreiben. Nun kommt Ihre Koffer-Packliste ins Spiel.
Damit können Sie exakt darlegen,
welche Gegenstände Sie auf die Reise mitgenommen haben.

Auf dem Schadensformular wird nach dem geschätzten Wert jedes Artikels gefragt.
Dabei ist nicht vom Einkaufswert auszugehen, sondern – wie bei Versicherungen üblich –
vom Zeitwert. Abnutzung und Alter spielen eine Rolle bei der Wertschätzung.

Eine Schadensmeldung wird von der Fluglinie nur dann berücksichtigt,
wenn Sie ihr eine Kopie der Verlustanzeige beim Lost and Found-Büro beifügen.
Sonst könnte ja jeder kommen und die Hand aufhalten.

Einen Sonderstatus nehmen besonders wertvolle Gegenstände ein,
wie Rolex-Uhren, Fotoausrüstung, Schmuck aus echtem Gold usw.
Laut Reiserecht gehören die nicht ins Fluggepäck, sondern ins Handgepäck
bzw. an den Mann. Wenn Ihnen also silberne Ringe oder ähnliches abhanden kommen,
haftet die Fluggesellschaft dafür nicht.

Wie hoch sind nun die Ausgleichszahlungen der Fluglinie?
Laut Reisegesetz liegt die Obergrenze zur Zeit ungefähr bei 1.300 Euro.
Das sollte für erlittene Verluste in jedem Fall ausreichen.
Selbst wenn Sie mit der ganzen Familie in Urlaub fahren.

 

Ersatz-Artikel am Urlaubsort kaufen
Es ist ärgerlich, wenn man von der Reise zurück kommt.
Und auf dem Gepäckband in Berlin, Frankfurt oder Köln-Bonn feststellt:
Verflucht, mein Gepäck ist nicht da.

Aber noch viel schlimmer ist es, wenn Ihnen dieses Missgeschick
schon bei der Landung in Kroatien, Spanien oder in der Karibik passiert.
Sie stehen nun fast völlig nackt da.
Schlafanzug, Rasierapparat, Ersatzschuhe und –kleidung: alles ist futsch.

So können Sie den Urlaub natürlich nicht anfangen.
Als Überbrückung für die ersten Tage ohne Ihr eigentliches Reisegepäck brauchen Sie
diverse Dinge. Für den Fall, dass es längere Zeit dauert, bis die Koffer wieder auftauchen.
Dann hat der Flugreisende Anspruch auf Sofortersatz.

Meist ist es so, dass der Urlauber sich nach der Ankunft am Reiseziel auf Kosten
der Fluggesellschaft zumindest das Nötigste kaufen darf.

Streitpunkt ist häufig die Frage: was genau gehört zur „nötigen Ersatzausrüstung“?
Nur Unterwäsche, Badeklamotten, Hygieneartikel?
Oder auch Jacke und Ersatzhose? Oder noch mehr?

Entscheidend dafür sind die Gegebenheiten am Urlaubsort und die geplanten Aktivitäten.
Bei heißem Wetter zum Beispiel ist es unzumutbar,
länger als einen Tag in denselben Kleidern herumzulaufen.
In kühlen Regionen dieser Erde benötigen Sie warme Kleidung.
Für den Wanderurlaub brauchen Sie einen Rucksack und Wanderschuhe.
Das muss allerdings in Ihrem Gepäck gewesen sein.

Eine andere Frage stellt sich durch die verlorene Urlaubszeit.
Während Sie in den Geschäften eines fremden Landes shoppen gehen,
können Sie nicht entspannen oder an Ausflügen teilnehmen.
Auch dafür bekommt der Fluggast normalerweise eine Entschädigung in Form von Geld.

Wie sieht die finanzielle Regelung für Ersatzkleidung aus?
Bekommen Sie einen Vorschuss? Müssen Sie das Geld für die Einkäufe vorstrecken?
Das ist in den Statuten der Fluglinien unterschiedlich geregelt.

In jedem Fall müssen Sie die Kassenzettel aufheben.
Sie können nur Unkosten für unbedingt nötige Gegenstände geltend machen.
Und Sie dürfen keine extra teuren Artikel einkaufen,
die deutlich über den Durchschnittspreisen liegen.

 

Regress-Ansprüche für Flugreisende bei Totalverlust des Koffers
Die gute Nachricht zuerst:
Nur 5 von 100 Koffern werden in kurzer Zeit (2-3 Tage) nicht wieder gefunden.
Man darf also durchaus auf die Fähigkeiten der Flug-Organisatoren vertrauen.
Doch was ist, wenn Sie zu den unglücklichen 5 Prozent gehören?

Laut Gesetz hat der Flugbetreiber 3 Wochen lang Zeit, die Koffer ausfindig zu machen.
Gelingt dies nicht, gelten sie als „verloren“.
Es geht nun nicht mehr um eine Ersatz-Ausrüstung für den Urlaub.
Sondern um Schadensersatz für verschollenes Reisegepäck.

Der Urlaub ist vorbei. Nun kann der Flugkunde bei der Airline Ersatz für seinen Verlust
anfordern. Er listet alles auf, was verloren ging. Und benennt eine konkrete Schadenssumme.
Das Regress-Schreiben wird nicht als Mail abgeschickt.
Sondern sicherheitshalber als Einschreiben mit der Post.

Damit die Fluglinie den Vorgang nicht auf die lange Bahn schieben kann,
nennen Sie ihr eine angemessene Frist bis zur ersten Antwort.
Ganz beiläufig fügen Sie hinzu: Wenn ich bis zum Tag X nichts von Ihnen gehört habe,
werde ich die Sache meinem Anwalt übergeben. Das macht Eindruck.

 

Sonderfall: Gepäckverlust bei Pauschalreisen
Diese Art zu Reisen ist äußerst beliebt.
Besonders bei Leuten, die auf günstige Urlaubsschnäppchen aus sind.
Doch wie sieht es aus, wenn der Koffer verspätet kommt oder verschwindet?

Bei Pauschalreisen haben Sie alles inklusive, auch den Flug.
In diesem Fall ist nicht die Fluglinie regresspflichtig zu machen, sondern der Reiseveranstalter.
Denn er hat alles rund um ihre Urlaubsreise organisiert. Er steht in der Verantwortung.

Was also ist zu tun? Die Verbraucherzentrale empfiehlt:
Sie müssen dem Reiseveranstalter unverzüglich die Verlustmeldung schriftlich überreichen.

Nehmen wir an: Sie befinden sich in den USA. Ein Reiseleiter ist nicht auszumachen.
Dann kontaktieren Sie Ihren Reiseveranstalter in Deutschland per Mail oder telefonisch.

Den Anruf sollte eine andere Person bezeugen können.
Damit sich der Veranstalter später nicht herausreden kann.
Bestehen Sie unbedingt darauf, dass das Reise-Unternehmen den Erhalt
der Verlustmeldung schriftlich bestätigt.

Je nachdem, wie viel Zeit vergeht, bis der Koffer wieder auftaucht,
bekommen Sie einen Teil der Reisekosten zurück erstattet. Als Schmerzensgeld quasi.
Der Reiseveranstalter haftet auch für Einkäufe,
die Sie notgedrungen für die ersten Urlaubstage machen müssen.
Und die im Zusammenhang mit den verschwundenen Koffern stehen.

 

Gibt es Unterschiede bei den Fluglinien?
Grundsätzlich ist das internationale Reiserecht im „Montrealer Abkommen“ geregelt.
Dieses Gesetz reguliert Personenschäden, Sachschäden, Verspätungsschäden
und Gepäckschäden im internationalen Flugverkehr.
Alle namhaften Fluglinien haben das Montrealer Abkommen unterzeichnet.

Kapitale Unterschiede gibt es nicht zwischen den großen Airlines.
Nur die Verfahrensweise ist hier oder da etwas variabel.
Im Grunde genommen leisten Lufthansa, TUIfly, Condor, British Airways und Eurowings
Entschädigung für verschwundenes, verspätet eintreffendes oder beschädigtes Reisegut.

Es gibt nur marginale Unterschiede in der Abwicklung.
Alle schreiben vor, dass man sich zuerst am Lost & Found-Schalter einfinden muss.
Alle sagen: Wertgegenstände haben nichts im Fluggepäck zu suchen.
Alle sind einverstanden, wenn der Flugreisende sich bei verspätetem Koffer
eine Ersatzkleidung und andere dringend nötige Gegenstände besorgt.

Wer die genauen Modalitäten seiner Airline vor Reiseantritt genau erfahren möchte,
sollte sich im Internet informieren.
Jede Luftfahrtgesellschaft legt die Statuten auf seinem Online-Portal offen dar.

 


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