Britischer EU-Austritt: Folgen für England-Reisen

Brexit hat Folgen für Britisches Pfund und England-Urlauber

Auswirkungen des Brexit
für den England-Urlaub

Bei der Wahl im Juni haben sich die Bürger Großbritanniens entschieden:
Das Königreich wird aus der EU austreten.
Mit dem Brexit verlässt eins der reichsten Länder
die Europäische Union.

 

Diese Entscheidung ist unumkehrbar.
Auch wenn so mancher Brite das in der Zwischenzeit schon als „bedauerlichen Irrtum“ ansieht.
Viele Brexit Gegner waren dummerweise zu bequem, um zur Wahlurne zu gehen.

Der britische EU-Austritt ist schlimm für Europa.
Doch welche Folgen wird er für Reisen nach England haben?
Wird man bald ein Visum brauchen? Werden sich Reise- und Flugkosten ändern?
Was ist der Euro in Großbritannien künftig wert?
Wird alles günstiger? Oder müssen die Urlauber mit Mehrausgaben rechnen?

 

Direkte Folgen für den England-Tourismus
Gleich im Anschluss an den EU-Austritt hat das Britische Pfund gegenüber dem Euro
deutlich an Wert verloren. Das bedeutet: Nach England zu reisen wird ab sofort billiger.
Die Kosten für Hotels, Pubs, Mietauto, Benzin und Eintrittsgelder
bei den London-Sehenswürdigkeiten fallen niedriger aus.

In der Folgezeit kann sich das Pfund im Sommer 2016 auf einem niedrigen Niveau stabilisieren.
Experten sagen ihm aber eine triste Zukunft voraus.
Denn viele ausländische Kapitalanleger werden ihr Geld aus London abziehen.
Der Kursverlust würde die Reisen nach England noch günstiger machen.

Über diese Entwicklung freuen sich natürlich die Urlauber aus Europa.
Die Briten selbst werden darüber weit weniger glücklich sein.
Denn für sie wird der Urlaub in Länder der EU teurer.

Die Engländer reisen erfahrungsgemäß gern nach Mallorca, Ibiza, Südfrankreich
und auf die Kanaren. Dem Referendum haben sie es zu verdanken,
dass Hotelkosten und Flüge nun deutlich anheben.

Indirekt wird dadurch das Reisen nach Südeuropa auch für alle EU-Bürger günstiger.
Da die Sonnenländer am Mittelmeer die Briten als Urlaubsgäste nicht ganz verlieren wollen,
wird man mit den Preisen nach unten geht. Was auch uns Deutschen zugutekommt.

Ansonsten bleibt vorläufig alles beim Alten.
Zuerst einmal muss das Parlament von Großbritannien im Herbst den EU-Austritt beschließen,
und offiziell in Brüssel beantragen.
Danach wird man sich mit zusammen setzen, um neue Verträge auszuhandeln.
Erst dann wird klar werden, welche Folgen der Brexit für Reisende
und für die Europäische Wirtschaft haben wird.

Der Vertrag von Lissabon sieht vor, dass der Austritt des Vereinigten Königreiches (UK)
erst nach einer Übergangszeit von 2 Jahren Realität wird (Herbst 2018).
Bis dahin wird es bei Auslandskrankenversicherungen, Flugtickets,
Einreisebestimmungen und Telefonkosten keine Änderungen geben.

 

Weiterhin Visa-Freiheit für England?
Seit es den Schengen-Raum gibt, ist das Reisen innerhalb der Europäischen Union bequem:
Es gibt keine Grenzkontrollen mehr.
Die einzige Ausnahme bildet das Königreich von Großbritannien.
Es hat den Schengen-Vertrag nicht unterzeichnet.

Wenn Sie bisher in London, in den Midlands, in Schottland oder Wales Urlaub machen,
müssen Sie daher den Personalausweis vorzeigen.
Das ist weiter kein Problem. Könnte sich aber theoretisch ändern,
sobald der EU-Austritt vor Weihnachten 2018 wirksam wird.

Die Anschaffung eines Reisepasses wäre ebenfalls kein großer Akt.
Aber für jeden England-Trip ein Visum zu beantragen:
Das würde viele Kontinental-Europäer dazu bringen,
lieber in Frankreich, Italien oder Holland Urlaub zu machen.

Das wissen auch die Verantwortlichen in London.
Eine Visapflicht für England wird es aller Voraussicht nach nicht geben.
Wahrscheinlich wird es so ausgehen wie es die Nicht-EU-Länder Norwegen und Schweiz
handhaben: Wer sich bis zu 3 Monaten dort aufhält, braucht keine spezielle Genehmigung.

Was mit Schottland und Nordirland wird, bleibt abzuwarten.
Ein Volksentscheid über den Verbleib im Vereinigten Königreich von Großbritannien
könnte den Weg in eine neue EU-Mitgliedschaft ebnen.
Denn diese Länder haben eindeutig für Europa gestimmt.

 

Flugpreise nach England
Solange das United Kingdom EU-Mitglied ist, gehört es zum Europäischen Binnenmarkt.
Flugtechnisch bedeutet das:
Wenn Lufthansa, Ryanair oder British Airways innerhalb der EU von A nach B fliegen,
fallen an den Zielflughäfen keine Landegebühren an.
Das macht innereuropäische Flüge seit geraumer Zeit günstiger.
Vor allem Billigfluglinien profitieren davon.

Es ist fraglich, ob Großbritannien nach dem EU-Austritt weiterhin
dem europäischen Luftfahrts-Binnenmarkt angehören wird.
Brüssel will bei Verhandlungen mit London hart auftreten.
Um andere Länder, die ebenfalls mit einem Exit liebäugeln, abzuschrecken.

Für England-Urlauber ist das ganz schlecht.
Wirkliche Billigflüge (für 10 Euro nach London) wird es nicht mehr geben.
Die Ticketpreise werden anziehen.
Allerdings wird das durch den Kursverfall des englischen Pfundes mehr als ausgeglichen.

 

Tangiert der EU-Austritt Großbritanniens Ihre Reiserechte?
Das derzeitige EU-Recht besagt:
Wenn Flüge innerhalb der Union große Verspätungen haben oder ganz ausfallen:
Dann können Sie Geld zurück fordern.
Je nach Ausmaß der Beeinträchtigung können das mehrere Hundert Euro sein.

Norwegen und Island haben sich dieser Vereinbarung angeschlossen.
Doch wie wird es nach dem Austritt für England-Reisende aussehen?
Wenn das EU-Recht für die britische Insel nicht mehr bindend ist.

Großbritannien bzw. British Airways würden sich durch eine harte Linie ins eigene Fleisch
schneiden. Deutlich weniger Deutsche und Franzosen würden künftig einen Urlaub buchen
nach England, Schottland, Wales oder Nordirland.

Um der eigenen Tourismus-Branche nicht zu schaden, wird die britische Regierung
mit Brüssel wohl ein Sonderabkommen treffen wollen:
Den Kunden britischer Fluggesellschaften wird bei Flugausfall
und Reiseverspätung ein Rabatt gewährt.
Transatlantikflüge mit Zwischenstopp in London sind davon aber ausgenommen.

 

Mobile Telefonate: ein dickes Fragezeichen
Wer aus einem EU-Mitgliedsland nach Hause telefonieren möchte,
kann dies ab 2017 kostenlos tun. So wie es innerhalb von Deutschland Usus ist.
Der Druck durch die Skype-Konkurrenz hat womöglich
zu dieser verbraucherfreulichen Entwicklung geführt.

Ob es in der Zeit nach Herbst 2018 für England-Reisende so bleiben wird,
hängt von den künftigen Bestimmungen der großen Mobilfunkanbieter ab.
Die sind dann nicht mehr gezwungen, sich an EU-Vorgaben zu halten.
Da Großbritannien außen vor ist.

Doch zum Glück sind sie alle Konkurrenten auf dem Mobilfunkmarkt.
Sobald der erste Handyanbieter den Nulltarif proklamiert, werden andere wohl nachziehen müssen.
In diesem Bereich kann mit großer Wahrscheinlich Entwarnung gegeben werden.
Es sei denn, Telekom, O2, 1&1, Vodafone und E-Plus und bringen es fertig,
sich zum Wohl ihrer Bilanzen heimlich abzusprechen.
Wovor uns das Bundeskartellamt bewahren möge.

 

Auslandskrankenversicherung bei England-Reisen
Der Beschluss zum britischen Austritt aus der EU wird vorläufig keine Folgen haben.
Wenn Sie beim England-Aufenthalt einen Arzt aufsuchen müssen,
wird Ihre Krankenkasse weiterhin die Kosten tragen.

Sobald der Brexit in Kraft tritt, wird sich die Lage für Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen
wohl ändern. Das Sozialversicherungs-Abkommen zwischen England und Deutschland
bzw. Österreich wird aufgehoben.

AOK und Barmer werden im Krankheitsfall nicht mehr einspringen.
Sie müssen die Kosten selbst tragen.
Oder vorbeugend eine private Reisekrankenversicherung abschließen.
Wer eh schon privat krankenversichert ist, braucht das nicht.

 

Extra Führerschein für den Mietwagen?
Wenn Sie nicht gerade in London bleiben wollen, ist vielleicht ein Mietauto zu empfehlen.
Sie sind örtlich und zeitlich flexibel. Können in England reisen wohin und wann Sie wollen.
Es wird vermutet, dass die Gültigkeit des EU-Führerscheins durch den Brexit nicht beeinflusst wird.
Etwas gewöhnungsbedürftig ist es halt, dass Sie im englischen Auto rechts sitzen.

 

Folgen des britischen EU-Austritts für deutsche Steuerzahler
Großbritannien ist wie Deutschland eines der Geberländer in der EU.
Die meisten Staaten (vor allem aus Osteuropa) halten nur die Hand auf.
Pro Jahr zahlt London umgerechnet ca. 5,5 Milliarden Euro
in die Kassen der Europäischen Gemeinschaft.

Nach dem Austritt ist damit zu rechnen, dass andere wohlhabende Länder wie Deutschland,
Italien, Schweden und Belgien diesen Fehlbetrag ausgleichen müssen.
Das bedeutet: der Bundeshaushalt wird stärker belastet.
Der deutsche Steuerzahler ist wieder mal der Dumme.

 

Auslands-Studium in England
Ein deutscher Student, der sich zur Zeit in Oxford, Cambridge oder Edinburgh eingetragen hat,
zahlt die gleichen Studiengebühren wie sein britischer Banknachbar.
Das ist einer der Vorzüge der EU-Mitgliedschaft. Wer hingegen als Schweizer oder Türke
in England studiert, muss dafür das Vierfache zahlen.

Welche Folgen der Brexit auf die Studienkosten haben wird, steht noch in den Sternen.
Wer schon angefangen hat (120.000 Studenten aus EU-Ländern), ist wohl nicht betroffen.
Wer sich an einer britischen Hochschule neu bewirbt, könnte durchaus stärker zur Kasse
gebeten werden. Die Folge wäre ein deutlicher Rückgang ausländischer Studenten.
Die Unis wären nicht mehr voll ausgelastet.

 

England den Engländern
Was sind die Folgen für deutsche Arbeitsplätze in England?
Die europäische Wirtschaft ist so ineinander verflochten,
dass viele internationale Großunternehmen Filialen im Ausland haben.

Nicht nur die Billigarbeiter aus Osteuropa, sondern auch viele Deutsche und Franzosen wohnen
und arbeiten in Großbritannien. Die EU ist eine kuschelige Familie geworden.
Doch diese Zeit scheint durch den Brexit vorbei zu sein..

Fast 3 Millionen Fremdarbeiter gibt es in Großbritannien.
Davon ungefähr 140.000 aus Deutschland.
Solange das Land der Gemeinschaft angehört,
darf jeder EU-Bürger ohne Einschränkungen in England arbeiten.
Das war schon vor 10 Jahren so.

Mit dem EU-Austritt ist das Makulatur.
Wenn die Konservativen in Britannien weiterhin die Regierung bilden, wird man als Ausländer
wieder eine Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis brauchen.

Für viele Brexit-Wähler war die „Überfremdung“ ein wichtiger Grund,
um für den Austritt zu stimmen. Vor allem die Billigarbeiter wird man nach Rumänien,
Polen, Slowakei und Bulgarien zurück schicken.
Das bedeutet: höhere Arbeitslosigkeit in diesen Ländern.
Und somit höhere finanzielle Belastungen seitens der EU.

Der Austritt der Briten hat schon 2 Monate nach der Volksabstimmung
negative Auswirkungen auf die deutsche Volkswirtschaft.
Zumindest ist die Erwartungshaltung so pessimistisch wie seit vielen Monaten nicht mehr.
Da es immer schwieriger wird mit den Absatzmärkten auf der Insel.
Vor allem in der Automobil-Industrie.

 

Fazit
Reisen nach Großbritannien werden insgesamt billiger.
Ansonsten aber bringt der EU-Austritt ganz empfindliche Nachteile.
Nicht nur für die Europäische Gemeinschaft. Sondern vor allem für die Briten.
Ob jene das bedacht haben, die Europa abwählten?

Es ist wohl das Dümmste, was 2016 in der Weltgeschichte passiert ist.
Zumal es vollkommen unnötig war.
Wenn die jungen Leute in Großbritannien die Sache so ernst genommen hätten,
wie Rentner, Nationalisten und Isolationisten: dann würde das Land in der EU bleiben.
Auch die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel hat wohl eine unrühmliche Rolle gespielt.

Wollen wir hoffen, dass Dummheit nicht ansteckend ist.
Dass die Amerikaner sich nicht genauso blenden lassen.
Und bei der Präsidentenwahl Donald Trump die Gefolgschaft verweigern.

 


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